Was bedeuten eigentlich die kurzen Wege im Internet? Hier mal schnell eine kleine Recherche, dort mal noch was nachgeschaut – die Welt scheint kleiner zu werden und stets sind alle Informationen nahezu überall auf der Welt verfügbar. Quasi nur einen Klick entfernt. Selbst wenn das für die nächste Bibliothek nicht gilt, die man noch vor 20 Jahren zu Recherchezwecken angelaufen wäre. Klar, in einem fremden Land wäre dies ob möglicher Sprachbarrieren und der Schnelllebigkeit bei Restaurantbewertungen auch nicht wirklich hilfreich.

Doch was bedeutet diese enge Vernetzung für die Nutzer:innen?

Zunächst einmal werden deine Anfragen umgehend beantwortet. Eine Top-Dienstleistung sozusagen. Doch machen sich die wenigsten Nutzer:innen Gedanken über den CO²-Ausstoss, den eine Suchanfrage verursacht. Wenn man diese Menge pro Suchanfrage multipliziert und dann noch auf ein Jahr hochzurechnen versucht, kann einem leicht schwindelig werden. Einerseits ist es kompliziert, es gibt einige Unbekannte, und andererseits wird das Ergebnis überraschen.

Warum stößt eine Suchanfrage im Netz überhaupt CO² aus?

Nun, die Suchanfrage an sich verursacht noch nicht so viel CO² – deren Bearbeitung und Beantwortung jedoch schon! Die Suchanfrage löst das sogenannte Strippenziehen der IT im Hintergrund aus. Anfrage wird gesendet, über Datenkabel zu Servern weitergeleitet und sobald Ergebnisse anklickt werden, passiert das Gleiche von vorn. Das kostet Energie. Und dabei ist der Stromverbrauch, den dein Laptop oder Handy dafür benötigt, das geringste Übel. Den meisten Strom bei einer Suchanfrage verbraucht die Infrastruktur – also die Datenübertragung und stete Verfügbarkeit von Servern. Denn hochfrequentierte Seiten wie Google und Wikipedia, nutzen keine kleinen Server, sondern eher ganze Serverfarmen.

Was kostet eine Suchanfrage konkret?

Amerikanische Forscher haben ausgerechnet, dass eine einzige Suchanfrage bei dem Marktführer Google 2 Watt Strom/Stunde verbraucht. Umgerechnet sind das 2 Gramm CO². Genau das verbraucht eine Energiesparlampe in einer Stunde. Anhand dieser Daten hat die Künstlerin Joanna Moll 2015 berechnet, dass es 23 Bäume bräuchte, um die weltweiten Suchanfragen einer Sekunde auszugleichen (47.000).1

Warum wir darüber sprechen

Der Strombedarf der Kommunikationstechnik steigt zunehmend. Während diese 2001 gerade mal 5 % des deutschen Eigenverbrauchs ausmachte, wird es sich innerhalb der nächsten Jahre schon um gute 20 bis 30 % handeln. Check24 hat sich die Mühe gemacht und die weltweiten Google-Suchanfragen eines Monats zusammenzurechnen. Das Ergebnis ist wirklich beachtlich: Diese erzeugen soviel CO² wie ganze 25 (!) Weltumrundungen mit dem Auto.2 Aus diesem Artikel zitieren wir auch, dass der jährliche Verbrauch sämtlicher Google-Dienste wie Routenplanungen, Übersetzungen und die Nutzung der Videoplattform YouTube, pro Jahr soviel Strom benötigt wie San Francisco übers gesamte Jahr. Beziffert wird das mit zirka 5,7 Terawattstunden pro Jahr. Und dabei können die Stromverbrauchswerte einer einfachen Suchanfrage vom Gaming ganz leicht übertrumpft werden kann.

Auch die technische Weiterentwicklung spielt eine Rolle

Im gleichen Betrachtungsjahr (2015) machten Gaming-Computer mit 2,5 % der weltweit eingesetzten Personal Computer sage und schreibe 20 % der für PC verwendeten Energie aus.3 Hinzukommen Alltagserleichterungen dank technischen Fortschritts. Egal ob es sich um Kühlschrankkameras handelt, die den Inhalt oder dessen Mindesthaltbarkeitsdatum aufnehmen, um Kaffeetassen, die selbstständig Getränke länger warmhalten oder um Geräte mit Sprachassistenten. Gleichwohl diese Innovationen einzelne Lebensbereiche vereinfachen, schadet es nicht, deren Energieverbrauch zu berücksichtigen. „Durch dieses sogenannte Internet of Things rechnen Experten wie Dr. Ralph Hintemann mit einem Mehrenergieaufwand von 70 Terrawattstunden pro Jahr in der EU. Das ist mehr als 10 Prozent der Bruttostromerzeugung in Deutschland und mehr Strom, als Deutschland gerade mit Wind- und Solarkraft erzeugt.“4

Was kannst du tun?

Auch wenn Google in diesem Jahr neue Angaben zur eigenen Stromversorgung veröffentlichte5, sollte das keine:n Internutzer:in davon abhalten, auch im Netz bewusst zu konsumieren. Was für den Wocheneinkauf und die Wahl der Fortbewegungsmittel gilt, sollte auch für den eigenen Fußabdruck im Internet gelten.

Handle bewusst und vielleicht wirst du beim nächsten ziellosen Surfen nicht nur auf bisher unentdeckte Seiten stoßen, sondern dein Handeln überdenken, Suchanfragen konkretisieren oder eben nicht aus Langweile oder Faulheit das Netz bemühen.
Zudem raten wir an, auch über alternative Suchmaschinen nachzudenken, um deinen Fußabdruck schon mit der Suchanfrage auszugleichen.

Weiterführende Quellen:

  • https://blog.wiwo.de/look-at-it/2018/03/12/jede-minute-im-internet-2018-38-milllionen-google-suchen-800-000-dropbox-dateien/
  • https://www.gaming-pc.net/ratgeber/was-verbraucht-mein-gaming-pc-wattzahl-im-blick/

Unsere Quellen:

1https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/co2-abdruck-jede-sekunde-googeln-verbraucht-23-baeume

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