Wer kennt sie nicht? Online-Meetings und Konferenzen haben insbesondere während der Corona-Pandemie weitverbreitet Einzug erhalten. Sie sind eine willkommene Abwechslung, um sich mit Kolleg:innen wieder zusehen. Doch fürs Klima sind sie Fluch und Segen zugleich.

Warum erklären wir dir in diesem Artikel.

Eines ist besonders klar geworden: Durch die weite Verbreitung von Online-Konferenzen schaffen wir es, viele verschiedene Gruppen, ortsunabhängig in einem virtuellen Raum zu versammeln – ohne, dass sich jemand von seinem zu Hause oder Arbeitsplatz wegbewegen muss. Dadurch muss kaum noch jemand an den Veranstaltungsort reisen – ob per Rad, Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Allein die daraus resultierenden Einsparungen tun der Umwelt Gutes.

Doch wie grün ist denn nun ein solches Online-Meeting?

Tja, das ist eine gute Frage. Selbstverständlich liegen einige Vorteile auf der Hand. Doch schlussendlich verbraucht auch das Internet Strom – und das nicht zu knapp. Wie grün ein Online-Treffen wirklich ist, hängt schlussendlich von deinen persönlichen Einstellungen wie deinem Stromanbieter ab, aber auch von der genutzten Plattform.

Denn wie bereits an anderer Stelle ausführlich erklärt, wäre es am besten, wenn die genutzte Onlineplattform ebenfalls auf einen umweltbewussten Provider zurückzuführen ist.

Weitere Faktoren, wie du ein Online-Meeting möglichst umweltfreundlich gestalten kannst

Auch wenn es nicht im Sinne der Erfindung eines Online-Meeting ist, permanent die Kamera auszuschalten – schließlich will man ja eigentlich jemanden sehen und für die Sprechenden ist es ebenfalls wesentlich angenehmer nicht in einem Raum mit lauter schwarzen Kacheln zu sprechen – so kannst du mit dem bewussten Einsatz deiner Kamera und deren Deaktivierung einen großen Beitrag dazu leisten, die Klimafolgen zu minimieren.

1. Kamera ausschalten

Wir reden hier von Einsparungen bis zu 96 Prozent, der durch den Stromverbrauch für Online-Meetings auf herkömmlichen Plattformen. Das fanden Forscher:innen der Fachzeitschrift «Resources, Conservation & Recycling» heraus. Umgerechnet wäre das in etwa die Energie, die ein Smartphone beim nächtlichen Laden über drei Jahren verbraucht. 1

Deren Berechnungen zufolge produziert eine Videokonferenz mit der Dauer von einer Stunde 50 bis 1000 Gramm Kohlendioxid und benötigt zwischen zwei bis zwölf Liter zur Stromerzeugung.

Insofern kann man getrost auch mal die Kamera abschalten – insbesondere bei Präsentationen, Vorträgen und in den Pausen -und bei den interaktiven Teilen wieder aktivieren.2

2. Videoqualität bewusst einstellen

Doch damit nicht genug. Du hast noch mehr in der Hand. Verringerst du die Videoqualität, kommt dies ebenfalls der Umwelt zugute. Bei einem Vergleich von Streamingplattformen wurde dabei Folgendes herausgefunden: Reduzieren allein 7 Millionen Menschen die Videoqualität von HD auf Standard, spare dies bei einem Stream von täglich vier Stunden sage und schreibe 350.000 Tonnen CO² pro Monat.3

Demnach kann jede:r Nutzer:in beim Wechsel von HD- auf Standard-Qualität, den eigenen Fußabdruck auf 2,5 Kilogramm drücken und in etwa so viel einsparen, wie bei einer 150 Kilometer langen Autofahrt.

Den Forschern zufolge könnten demnach nicht nur die Konsument:innen ihre Handlungen bewusster leben, sondern auch die Dienstleister beispielsweise von Streamingplattformen wie Netflix und YouTube, die Videos in einer geringeren Auflösung zur Verfügung stellen. Damit wäre ein erster Schritt gemacht. Und jede:r Konsument:in, die eine höhere Auflösung wünscht, kann diese optional zuschalten. Aus unserer Sicht gerne auch mit dem Hinweis, dass dies mehr Ressourcen benötigt.

3. Konferenzanbieter:innen bewusst auswählen

Wir wissen natürlich alle, welche die gängigen Video- bzw. Konferenzplattformen sind. Doch auch hier gibt es grüne Alternativen. Whereby, gehostet in Norwegen und somit auch mit einem wesentlich besseren Anteil an erneuerbaren Energien als andernorts, hat bis vor Kurzem noch pro Konferenz und Meeting Bäume gepflanzt.

Auch die OpenSource Software BigblueButton wird in Europa gehostet, was wiederum deinem Datenschutz zugutekommt.

Die größte Empfehlung von uns ist die klimafreundliche Plattform Green Communication. Auch hier läuft alles konform mit der Datenschutzgrundverordnung.4

Auch das Land Baden-Württemberg hat bereits festgestellt, dass „[d]urch die Verbesserung der Energieeffizienz und die Versorgung der IT-Infrastruktur mit einem klimafreundlichen Strommix […] die Umweltbilanz der Videotelefonie deutlich optimiert werden [könnte].“5

4. Konferenzcall – ja oder nein?

Es gibt durchaus Fälle, in denen es gar kein Online-Meeting erst braucht. Willst du dich beispielsweise mit nur einer weiteren Person austauschen, so kann auch leicht zum Telefon gegriffen werden.

Auch das kann klimafaktisch belegt werden. Der Softwareentwickler Gerry McGovern hat es getestet und berechnet. Bei einem einstündiges Online-Meeting zweier Personen werden in einem Betrachtungszeitraum von 250 Tagen pro Jahr (abhängig von der Auflösung und Videoqualität) bis zu 2,8 Kilogramm CO² produziert. Ein einfacher Audiocall verursacht wiederum nur acht Gramm.

Vergleich Online-Meeting vs. Anreise bei Präsenzveranstaltungen

Bei hochaufgelösten HD-Videoanrufen können sogar bis zu 1,1 Kilogramm CO² verursacht werden. Vergleicht man dies mit einem durchschnittlichen in der EU zugelassenen Kleinwagen mit einem durchschnittlichen Ausstoß von 120 Gramm CO² pro Kilometer, „entspräche die Summe der Audiocalls einer Fahrtstrecke von 0,7 Kilometern. Die CO2-Emissionen von Ultra-HD-Videoanrufen entsprechen 23 Kilometern Autofahrt.“6

Über den Tellerrand geblickt

Es macht nicht nur einen Unterschied, auf welcher Plattform die Online-Konferenz stattfindet und von welchen Servern diese in welchem Land betreiben werden (Stichwort Strommix). Auch die Übertragungswege haben dem Umweltbundesamt zufolge Auswirkungen7: „Ein Videostream in HD-Qualität per Glasfaserkabel sei mit knapp zwei Gramm CO2-Ausstoß pro Stunde etwa 50-mal effizienter“ als eine Übertragung per Mobilfunk. Das liegt daran, dass man bei Glasfaserverbindungen kaum Verluste habe, da diese höhere Datenmengen über eine größere Distanz ohne Verstärkung übertragen.8

Unser Fazit

Nichtsdestotrotz ist das Homeoffice und Videokonferenzen immer noch klimafreundlicher, als wenn man für jede Besprechung ins Auto steigen oder gar wegen nur weniger Gesprächsstunden einen Flieger nutzen würde. Und ganz beiläufig verringert sich so der Lärmpegel des Verkehrs ganz von allein.

PS: Auch die Bundeszentrale für politische Bildung hat noch einmal einige Do’s and don’ts für euch zusammengefasst: https://www.bpb.de/partner/akquisos/314855/tipps-fuer-nachhaltiges-klimafreundliches-fundraising

2Ebd.

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