Wenn man an Island denkt, hat jede:r sofort mindestens ein Bild vor Augen: Vulkane, Geysire oder eben Mondlandschaften. Heute ist Island das am wenigsten bewaldete Land in Europa. Doch das war nicht immer so.

Im neunten Jahrhundert waren rund ein Viertel der Inselfläche mit Wald ausgestattet – bevor die Wikinger die Insel einnahmen und abholzten, um Siedlungen, Unterkünfte und Boote zu bauen. Allein innerhalb eines Jahrhunderts reduzierte sich der Baumbestand um 97 Prozent. Soll man das einfach hinnehmen? Nein. Die Isländer setzen auf die Zauberformel „Wiederbewaldung“.

Doch was bedeutet der mangelnde Baumbestand für Island aktuell?

Mit nur 0,5 Prozent Waldfläche ist Island weder vor Stürmen geschützt, noch ist der Boden besonders fruchtbar. Aufgrund der Stürme, langer kalter Winter, durchgehend niedriger Temperaturen auch im Sommer und der zahlreichen aktiven Vulkane, die regelmäßig Asche spucken, erodiert der stickstoffarme Boden. Vegetation kann sich nicht ausbreiten. Insgesamt sind nur 11 Prozent der isländischen Böden nicht von Erosion betroffen. 1

Dadurch sind in Island nur Birken heimisch. Und Bäume wachsen insgesamt sehr viel langsamer als in Deutschland.

Lohnt sich die Wiederbewaldung Islands?

Für die Bekämpfung des Treibhauseffekts spielt der Wald eine entscheidende Rolle. Das hat auch die isländische Regierung erkannt, die die Wiederbewaldung zur Priorität erklärt hat und darauf abzielt, Treibhausgasemissionen um 40 Prozent zu reduzieren.

Wie schon angesprochen, ist die Wiederbewaldung in Island nicht gerade leicht, wird aber auch vom Klimawandel begünstigt, da die Sommer nun etwas länger und wärmer werde. So haben die Setzlinge mehr Zeit bevor der kalte Winter kommt und können mit den wärmer werdenden Temperaturen besser gedeihen. Bereits seit den 1950er Jahren wird die Wiederbewaldung forciert. Studien wurden angelegt, um herauszufinden, welche Baumarten unter diesen Bedingungen wachsen können. Dabei soll nicht allein auf die heimische Birke gesetzt werden. Mischwälder sind das Ziel, um einerseits die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber Stürmen und Dürren zu stärken. Andererseits sind Mischwälder sehr viel produktiver bei der Kohlenstoffaufnahme. Insbesondere die in Alaska und Nordamerika heimischen Nadelbäume Küstenkiefern und Sitka-Fichten scheinen geeignet und werden in der Region um Hafnarsandur angepflanzt. Ein wenig entfernt in Kvistar auch Pappeln.2

So wurden von 2015 an drei Millionen Bäume allein über den Zeitraum von vier Jahren angepflanzt. Stünden diese alle an einem Ort, entspräche dies ungefähr einer Fläche von 1.000 Hektar.3

Wie viel Kohlenstoff können Bäume eigentlich aufnehmen?

Genau genommen, nehmen Bäume gar kein CO² auf. Wachsende Bäume verwenden nur den Kohlenstoff des Kohlenstoffdioxids, speichern diesen und geben den Sauerstoff an ihre Umgebung ab. Durch den Prozess der Photosynthese nehmen Bäume also das klimaschädliche CO² aus der Atmosphäre auf und wandeln es in Atemluft für uns Menschen und die Tierwelt um.4 Diese Speicherung verlängert sich übrigens entsprechend der Aussagen der Plattform wald.de, wenn Holz etwa für Möbel, Neu- oder Anbauten und Modernisierungen genutzt wird. So werde der enthaltene Kohlenstoff festgesetzt. Ausschließlich die Zersetzung bzw. Verbrennung des Baumes setzt den Kohlenstoff wieder frei. Ganz konkret entlaste ein Niedrigenergiehaus in Holzbauweise die Atmosphäre um rund 80 Tonnen Kohlendioxid.5

Grundsätzlich gilt: Je schwerer das Holz, desto mehr Kohlenstoff kann gespeichert werden. Hierfür gibt es diverse Berechnungen und Abstufungen, die für die in Deutschland beheimateten Bäume gelten. Den zugrundeliegenden Berechnungen zufolge, kann eine Buche im Schnitt 3,5 Tonnen CO² auf 100 Jahre binden. Die Fichte jedoch „nur“ 0,7 Tonnen. Selbstverständlich ist nicht nur die Baumart und Dicke des Holzes ausschlaggebend dafür, sondern auch das Alter eines Baumes, die Größe, der Durchmesser und der Standort (Wald oder Einzelpflanzung).6 Dabei ist auch zu beachten, dass die Speicherung insbesondere in den ersten Wachstumsjahren sehr gering ausfällt. Für die Wälder gilt in Deutschland die Faustformel, dass ein Hektar Wald pro Jahr zirka 10 bis 13 Tonnen CO² speichert – über alle Altersjahre hinweg.7

„Saving the planet, one tree at a time“ – Mission von Plant A Tree in Iceland

Jeder gepflanzte Baum trägt somit zum Klimaschutz bei und hilft insbesondere in Island dabei, der Erosion der Böden entgegenzuwirken. Dem hat sich auch die Organisation Plant A Tree in Iceland verschrieben. Die Wiederbewaldung soll darüber hinaus den Böden dabei helfen, auch andere Vegetationen zu entwickeln und zu erhalten.

Entlang der gesetzlichen Wiederbewaldungsstrategie sollen in 40 Jahren rund 2,5 Prozent der isländischen Insel wieder von Wald bedeckt sein, wobei Plant A Tree in Iceland dies gern beschleunigen möchte.8 Ihr Motto ist es, CO² in Wälder zu verwandeln.

Beim Reisen Gutes tun

Und so sind beispielsweise alle Islandfans und Urlaubende dazu eingeladen, die bei der Anreise ausgestoßenen Emissionen, mit Unterstützung und Baumpflanzung auszugleichen. Der Ort Þorlákshöfn, an dem sich die Organisation niedergelassen hat, sei demnach nicht ganz zufällig gewählt – er ist auch für Touristen sehr gut erreichbar, die sich auf der Route des „Golden Circle“ befinden.

Wenn du wiederum Produkte bei Petricore kaufst, musst du gar nicht erst nach Island reisen, um die Wiederbewaldung an unserem Serverstandort zu unterstützen – du kannst entscheiden, wie du die restlichen Emissionen entlang unserer Produktstrecke ausgleichen möchtest und deinen Beitrag an Plant a Tree In Iceland leisten.

Unsere Leseempfehlung: „Das geheime Leben der Bäume“ Peter Wohlleben

 

Quellen:

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